Feinsinnige Musik aus dunklen Zeiten

Der US-Amerikaner Laurence Dreyfus und seine vier Mitstreiter vom Gambenconsort Phantasm – Emilia Benjamin, Jonathan Manson, Mikko Perkola und Markku Luolajan-Mikkola – stellten sich am Dienstagabend im Palmensaal der Orangerie im Neuen Garten als besonders sensible Interpreten alter Musik vor.

Dabei war der geschichtliche Hintergrund, der dem Konzert zugrunde lag, alles andere als von Sensibilität gekennzeichnet: Mit „protestantischem Orkan“ wurden im Jahre 1588 die scheinbar unbesiegbare spanische Armada und Soldaten des spanischen Königs Philipp II, ein strenggläubiger Katholik, von den Engländern vernichtet und in die Flucht geschlagen. 1666 galten dann die Katholiken als Urheber eines großen Brandes in London. Die Protestanten der englischen Hauptstadt schrien nach Rache. Dass ein starker Wind bei den Entscheidungen und Schicksalsschlägen mitgespielt haben sollen, kam für die meisten Zeitgenossen nicht in Betracht.

Die Musikfestspiele stellten innerhalb ihres diesjährigen Themas „Erde, Feuer, Wasser und Luft“ Bezüge zwischen den geschichtlichen Ereignissen und den entstandenen Kompositionen für Gambenconsort her. Manchmal schienen sie ein wenig konstruiert zu sein. Doch interessant war es allemal, denn im Programmheft konnte man vor allem zur Historie lesen, weniger zu den Komponisten.

Auf dem Programm standen drei- bis fünfstimmige Gambenconsort-Stücke von William Byrd und dem Italiener Alfonso Ferrabosco der Ältere. Beide lebten um 1588 in London und waren als Katholiken im protestantischen England gefährdet. Während der Zeit des verheerenden Feuers und der Verfolgung der Katholiken durch Protestanten haben Matthew Locke und Henry Purcell das musikalische Leben in London mitgestaltet. Wie so oft in Zeiten des Krieges, der Nöte, der Verfolgung schufen Komponisten gültige Werke, in denen sie musikalisch ihre Hoffnung auf eine friedliche Welt in ihre Noten festschrieben, ob mit der textlosen, doch gedankentiefen Messe von Byrd, den kunstvollen und auf klangsinnlich bedachten Fantasien von Ferrabosco, Locke und Purcell.

Das Ensemble Phantasm konnte bei seinen Interpretationen mit feinsten dynamischen Schattierungen und schönen Steigerungen dank ihrer bewundernswerten instrumentalen Fertigkeiten und großen Disziplin aufwarten. Ebenso wichtig: die Spielfreude, Lust am Tempo und explosive Tongebung, die nicht zu kurz kamen. Diese Verbindung wurde den delikaten Quartett-Sätzen deutlich gerecht. Die Intonation war makellos, in langsam fortschreitenden Passagen ebenso wie in den bewegteren Abschnitten. Es wurde aktiv artikuliert und bei der Phrasierung sehr überlegt variiert. Der Klang war vergleichsweise weich – darin durchaus der Grundcharakteristik der Instrumente folgend.

Das Publikum im ausverkauften Palmensaal folgte den Darbietungen von Phantasm sehr gespannt und feierte die Künstler mit herzlichem Applaus. So konnte man sich abschließend über eine Zugabe freuen, mit einer Pavane des Engländers John Jenkins, die die musikalische und interpretatorische Feinsinnigkeit des Programms zusammenfasste. Klaus Büstrin

 

http://www.pnn.de/potsdam-kultur/1191660/

 

Date: 

Jun 2017

Author: 

Klaus Büstrin

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